Formen der
Datenvisualisierung

Geordnet nicht nach Aussehen, sondern nach kommunikativer Absicht: Was soll die Grafik zeigen? Zu jeder Form gehört ein lauffähiges p5.js-Beispiel – Mouseover zeigt es, Klick öffnet Code und Erläuterung.

Umfang89 Formen in 11 Kategorien
KontextStudiengang Informationsmanagement, Schwerpunkt Informationsdesign
Bewegung
  • Bedeutungsträger
  • Übergang oder Zugang
  • ohne Bewegungsdimension
Technikp5.js 2.3.2 · SVG · HTML
01

Magnitude

Wie groß ist etwas im Vergleich zu etwas anderem?

9 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungDie Nulllinie nie kürzen: Wenn Länge den Wert kodiert, verfälscht jede Achsenkürzung das Größenverhältnis.

02

Anteil

Wie setzt sich ein Ganzes zusammen?

9 Formen · 0 mit kinetischem Potenzial

AchtungAb etwa fünf Segmenten kippt die Lesbarkeit. Sammelkategorien wie „Sonstige“ verschleiern oft mehr, als sie ordnen.

03

Rangfolge

Welche Position nimmt ein Element in einer geordneten Reihe ein?

4 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungReine Rangdiagramme unterschlagen die Abstände. Nur einsetzen, wenn der Rangwechsel die eigentliche Geschichte ist.

04

Zeitverlauf

Wie verändert sich etwas über die Zeit?

13 Formen · 5 mit kinetischem Potenzial

AchtungAnimation ist verführerisch, für analytische Aufgaben aber schwächer als Small Multiples. Für Präsentation und Ausstellung dreht sich das Verhältnis um.

05

Verteilung

Wie verteilen sich die Werte – wo häufen sie sich, wo liegen Ausreißer?

10 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungBoxplots wirken objektiv, verbergen aber Mehrgipfligkeit vollständig. Bei kleinen Datenmengen die Einzelwerte zeigen.

06

Zusammenhang

Hängen zwei oder mehr Größen miteinander zusammen?

9 Formen · 0 mit kinetischem Potenzial

AchtungBei vielen Punkten entsteht Overplotting. Transparenz, Hexbin oder Dichteschätzung helfen, immer mehr Punkte nicht.

07

Abweichung

Wie weit und in welche Richtung weicht etwas von einem Bezugswert ab?

5 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungDivergierende Skalen brauchen einen sachlich begründeten Mittelpunkt. Ohne den suggerieren sie eine Symmetrie, die es nicht gibt.

08

Fluss

Wie bewegen sich Mengen zwischen Zuständen, Kategorien oder Orten?

6 Formen · 4 mit kinetischem Potenzial

AchtungAb etwa zehn Knoten pro Stufe werden Bänder nicht mehr verfolgbar. Vorher aggregieren.

09

Netzwerk

Wer oder was steht mit wem in Beziehung, und wie ist es geschachtelt?

9 Formen · 1 mit kinetischem Potenzial

AchtungAb etwa tausend Knoten entsteht ein Wollknäuel ohne Erkenntniswert. Filtern, aggregieren oder zur Matrix wechseln.

10

Raum

Wo passiert etwas – und ist der Ort wirklich die Aussage?

8 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungGroße, dünn besiedelte Flächen dominieren jede Karte optisch. Immer prüfen, ob eine Nicht-Karte die Aussage besser trägt.

11

Unsicherheit

Wie belastbar ist das, was hier gezeigt wird?

7 Formen · 2 mit kinetischem Potenzial

AchtungWeglassen ist keine neutrale Entscheidung. Wer keine Unsicherheit zeigt, behauptet implizit, es gebe keine.

Keine Form gefunden. Filter zurücksetzen.

Wie diese Sammlung geordnet ist

Nicht nach Form („runde Diagramme“) und nicht nach Technik, sondern nach der Frage, die die Grafik beantworten soll. Das entspricht dem Entwurfsprozess: Die Absicht steht vor der Form.

Bewegungspotenzial

Der Punkt oben rechts auf jeder Karte zeigt an, was Bewegung hier leisten kann. 22 der 89 Formen können sie als Bedeutungsträger nutzen – bei allen anderen wäre Animation Dekoration.

Entscheidungsreihenfolge

  1. Datensatztyp. Was liegt überhaupt vor? Eine Tabelle, eine Zeitreihe, ein Netzwerk, eine Hierarchie, Flächen mit Koordinaten. Die Struktur der Daten schließt bereits Formen aus.
  2. Aufgabe. Was soll man ablesen können – vergleichen, einen Anteil erkennen, einen Verlauf verfolgen, eine Abweichung sehen? Genau diese Aufgaben sind die elf Kategorien weiter unten – Magnitude, Anteil, Rangfolge, Zeitverlauf und so fort; die Frage unter jedem Kategorientitel formuliert sie.
  3. Kanäle. Ein Kanal ist die visuelle Eigenschaft, über die ein Wert dargestellt wird: Position, Länge, Winkel, Fläche, Helligkeit, Farbton, Form – und Bewegung. Sie sind unterschiedlich genau ablesbar: Position vor Länge vor Winkel vor Fläche vor Farbe.
  4. Form. Was übrig bleibt, wenn die ersten drei Fragen beantwortet sind. Erst hier fällt die Wahl auf eine konkrete Form.

Der Zusammenhang in einem Satz: Der Datensatztyp begrenzt das Mögliche, die Aufgabe bestimmt die Kategorie, die Genauigkeit der Kanäle entscheidet innerhalb der Kategorie – die Form ist das Ergebnis, nicht der Ausgangspunkt.

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